bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Sind Fledermäuse typische Stadtbewohner?

Begriffsbestimmung Synanthropie bei Fledermäusen Welche Fledermausarten sind typische Stadtbewohner?

Begriffsbestimmung

Wie man bereits an den Ausführungen des letzten Kapitels erkennen konnte, läßt sich die in der Überschrift dieses Kapitels gestellte Frage nicht allgemein für alle 24 in Mitteleuropa vorkommenden Fledermausarten beantworten. Einige Arten bewohnen die Städte häufig, finden sich aber nie in den Bebauungszentren, andere, in Städten seltene Arten, finden sich dort durchaus. Diese gegensätzlichen Erscheinungen machen eine generelle Einschätzung der Fledermäuse als Stadtbewohner schwierig.

Ein Begriff, dessen Anwendung bei der Einschätzung für die einzelnen Fledermausarten helfen kann, da er die Beziehungen zwischen menschlichen Siedlungen und dort lebenden Tieren benennt, ist Synanthropie.

Synanthrop läßt sich nach WERNER [1972] vom griechischen ableiten und bedeutet "zusammen mit dem Menschen".

SCHAEFER [1992] definiert den Begriff in seinem Wörterbuch als

"Bezeichnung für Arten, die eine enge Beziehung an den Menschen in seinem Siedlungsraum haben und sich hier besser entfalten können als in naturnäheren Lebensräumen; im weiteren Sinne gehören hierzu auch Arten der Agrarlandschaft."

TISCHLER[1993] engt den Begriff auf menschlichen Siedlungsraum in Form von Dörfern und Städten (exklusive der Agrarlandschaft) ein, da sich ansonsten ganz Mitteleuropa als Siedlungsraum des Menschen ansehen ließe.

Die von SCHAEFER [1992] angesprochene bessere Entfaltung gegenüber naturnäheren Lebensräumen wird laut POVOLNY [1989] einerseits über bessere Lebensbedingungen in den Siedlungsräumen erreicht, andererseits führten "Rückkopplungsmechanismen" aufgrund eines besonderen Selektionsdruck zu einer besseren Anpassung an den Siedlungsraum.

Der auch in diesem Zusammenhang manchmal angewandte Begriff des Kulturfolgers, der nach SCHAEFER [1992]

"... Arten [bezeichnet], die im vom Menschen geprägten Kulturland gefördert werden, also hier eine höhere Siedlungsdichte oder eine größere Verbreitung erlangen",

kann als Synonym für Arten, die nach SCHAEFER [1992] im weiteren Sinne synanthrop sind (s.o.), gewertet werden. POVOLNY [1989] trennt zwischen den beiden Begriffen stärker, bezeichnet sie sogar als zwei grundverschiedene ökologische Phänomene. Er führt als Grund an, daß

"... Kulturfolger [im Unterschied zu synanthropen Arten]... ihre Lebensweise bzw. ökologische Potenz nur unwesentlich oder gar nicht anpassen [mußten] ...

Somit sind als Kulturfolger solche Tierarten zu bezeichnen, die sich die Veränderungen der ursprünglichen Landschaft [durch den Menschen] zu Nutzen machten, indem sie in Biotope ... invadierten, in denen sie früher nicht lebten, weil sich ihre Vegetation mit allen Konsequenzen ihres Prozesses verändert hat."

Da nur ein Begriff, dessen Definition auf menschliche Siedlungen Bezug nimmt, bei der Frage, inwiefern bestimmte Fledermausarten als "typische Stadtbewohner" angesehen werden dürfen, eine sinnvolle Anwendung finden kann, möchte ich mich nur auf den Begriff der Synanthropie stützen.

Verschiedene Autoren versuchen den Begriff weiter zu differenzieren. Um zwischen verschiedenen Graden von Synanthropie unterscheiden zu können, geben z.B. Klose [1986] und Nuorteva [1963] in KLAUSNITZER [1993a] Indizes für den Grad der Synanthropie an. Kloses Index läßt sich bei Fledermäusen generell nicht anwenden. Ihre große Mobilität, die zu einem gesamtstädtischen, großflächig bewohnten Areal führt, läßt sich schwer in Kloses algebraischen Ausdruck einsetzen, der auf einem Vergleich der bewohnten urbanen Fläche zur bewohnten Gesamtfläche in einem Untersuchungsgebiet basiert. Nuortevas Index hingegen würde sich durchaus bei Fledermäusen anwenden lassen. Der derzeitige Untersuchungsstand bietet aber leider nur unzureichende Zahlenverhältnisse zu den prozentualen Bestandsanteilen von Fledermäusen - absolute Häufigkeiten liegen von Fledermäusen in mitteleuropäischen Städten nicht vor. Daher ist eine Einschätzung der Synanthropie mitteleuropäischer Fledermausarten nur basierend auf relativen Häufigkeiten möglich, wie sie im Kapitel Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten u.a. beschrieben wurden.

Grad der Synanthropie (Si) nach Nuorteva [1963] in KLAUSNITZER [1993a]:

Formel

a = prozentualer Anteil der Individuen der betreffenden Art im Urbangebiet

b = prozentualer Anteil der Individuen der betreffenden Art im Agrarbereich

c = prozentualer Anteil der Individuen der betreffenden Art in weniger
vom Menschen beeinflußten Biotopen

Dieser Index kann Werte zwischen +100 und -100 erreichen.

Nach Nuorteva [1963] bedeuten:

+100 = strenge Bevorzugung dichter menschlicher Siedlungen

+75 = strenge Bevorzugung menschlicher Siedlungen

+50 = Bevorzugung menschlicher Siedlungen

0 = Unabhängigkeit von menschlichen Siedlungen

-5 = Bevorzugung von unbesiedelten Gebieten

-50 = Vermeiden von Siedlungen

Eine weitere Differenzierung des Synanthropiebegriffs, die von einigen Autoren angewendet wird, stellt KLAUSNITZER [1993a] vor.

Mit der Grundlage, daß Synanthropie ein Begriff ist, der sich relativ zu Raum und Zeit verhält, beschreibt er verschiedene Formen der Synanthropie. Jahreszeitliche Lebensraumwechsel und unterschiedliche klimatische Bedingungen führen auch bei Fledermäusen zu differenten Ergebnissen betreffend der Synanthropie der einzelnen Arten. Insofern ist diese Begriffsdifferenzierung KLAUSNITZERs [1993a] auch auf diese Tiergruppe anwendbar.

"Obligatorische Synanthropie (Eusynanthropie): Die betreffende Art kommt mindestens in einem bestimmten Klimagebiet nur unter anthropogenen Bedingungen vor. Das Extrem wären solche Arten, die nur noch im Siedlungsbereich des Menschen existieren können.

Fakultative Synanthropie (Hemisynanthropie): Diese Arten haben im Siedlungsraum des Menschen optimale Entfaltungsmöglichkeiten. Es existieren aber auch Populationen außerhalb der Anthropozönose, von denen aus eine Immigration möglich ist...

Temporäre Synanthropie (Xenanthropie): Die betreffenden Arten sind nur zu bestimmten Zeiten (z.B. zur Überwinterung [mitunter sogar im täglichen Wechsel]) oder unter bestimmten Umständen in der Anthropozönose zu finden. Sie bilden keine eigenständigen Populationen innerhalb der Anthropozönose."


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 20.Oktober 1996

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