bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Fledermausschutz in der Stadt

Fledermäuse gehören zu den wenigen Tieren, die einerseits durch den Menschen bedroht sind, bei denen andererseits aber, wie ich dargestellt habe, einige Arten eine starke Bindung an große menschliche Siedlungen zeigen. Entgegen der Meinung vieler Menschen, Naturschutz in Städten hätte nur ästhetischen Wert, und Organismen ließen sich in solch stark anthropogen geprägten Lebensräumen nicht sinnvoll schützen, muß für diese Fledermausarten (die Stadtfledermäuse) festgestellt werden, daß ihre starke Bindung an Städte dafür ausschlaggebend sein muß, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung - die die Stadt darstellt - zu schützen und zu fördern.


Um gezielt Fledermäuse in Städten schützen zu können, müssen die Faktoren bekannt sein, die die Artenanzahl und die Häufigkeiten der Fledermäuse in einer Stadt bedingen. Sie lassen sich aus den bisherigen Ergebnissen meiner Arbeit schlußfolgern:


Aus den zwei letzten Faktoren (Quartierangebot und dessen Kombination mit möglichen Jagdräumen) lassen sich unter Anlehnung an KLAWITTER [1986] auf den Menschen zurückgehende Gefährdungsursachen zusammenstellen, die für Fledermäuse besonders in Städten von Bedeutung sind:

  1. Verlust und Beeinträchtigung des Quartierangebots
  2. Verknappung des Nahrungsangebots durch Beeinflussung für Insekten wichtiger Standortfaktoren
  3. Zerstörung und Beeinträchtigung wichtiger Jagdräume und Verbindungsstrukturen

Ohne auf die Schutzkonzepte genauer einzugehen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, können Schutzmaßnahmen offensichtlich aus den Gefärdungsursachen hergeleitet werden.


Die starke Bindung der acht Stadtfledermausarten sollte dazu führen, daß ein besonderes Augenmerk auf den Schutz dieser Tiere gelegt wird. Der Schutz gebäudebewohnender Fledermäuse wird eingehend z.B. von STUTZ & HAFFNER [1992] und RICHARZ [1986] betrachtet, die vor allem auf die Möglichkeiten fledermausfreundlicher Bau- und Sanierungsmaßnahmen an Häusern eingehen.

Die in Städten seltenen Waldfledermäuse lassen sich nur über langfristige Maßnahmen der "naturorientierten Parkpflege" [LEHNERT et al. 1993] in die Stadt holen, werden sich aber meiner Meinung nach grundsätzlich nicht an städtische Strukturen binden. Schutzmaßnahmen sind insofern sehr schwierig zu erarbeiten, da man in der Stadt den Ansprüchen der Tiere ohne starke Änderung städtischer Strukturen nicht gerecht werden kann. Der Ansatz der naturorientierten Parkpflege wird jedoch auch von ARNOLD & SACHTELEBEN [1993] propagiert. Da sie nicht nur Fledermäusen zu gute kommt, sondern einer Entwicklung städtischer Grünflächen zu allgemein naturnäheren Lebensräumen Vorschub leistet, ist diese auch grundsätzlich zu befürworten und zu fordern.

"Für baumbewohnende Fledermäuse ist das Angebot an alten, höhlenreichen Bäumen von großer Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, daß entsprechende Bäume vor allem in den Parkanlagen erhalten bleiben. Bäume sollen hier nur noch in Ausnahmefällen gefällt werden - eventuell notwendige Wegesicherungen lassen sich in der Regel auch durch das Absägen einzelner morscher Äste erreichen. In den Wäldern kann das Angebot an Baumhöhlen zum einen dadurch erhöht werden, daß vermehrt alte, absterbende Bäume und Totholz stehengelassen werden, zum anderen dadurch, daß die Umtriebszeit der Bestände erhöht wird; schließlich durch eine Ausweisung von Naturwaldparzellen, die sich selbst überlassen bleiben. Auch die Förderung der standortheimischen Laubgehölze ... kann zu einer Erhöhung des Quartierangebotes führen da Laubbäume in der Regel höhlenreicher als Nadelbäume sind. In städtischen und Staatswäldern sollten solche Maßnahmen selbstverständlich sein... Die Schaffung von Ersatzquartieren durch das Anbringen von Nistkästen hat nur eine untergeordnete Bedeutung..." ARNOLD & SACHTELEBEN [1993]

Zu guter letzt soll ein meiner Ansicht nach sehr interessanter Aspekt des Fledermausschutzes durch ein Zitat angesprochen werden.

"Unsere (und Anderer) Erfahrung zeigt, daß gerade die Fledermäuse beste Voraussetzungen mitbringen um das Interesse für Naturschutz auch bei Menschen zu wecken, die dafür bisher wenig Problembewußtsein entwickelt haben. Das kaum vorhandene Basiswissen über Fledermäuse, gepaart mit einer zunächst eher negativen Einstellung zu dieser Tiergruppe, stellt ein Vakuum dar, das sich bei entsprechender Aufbereitung rasch positiv besetzen läßt. Die 'Exotik' der Fledermäuse (ihr Aussehen, ihre Lebensweise), ihr 'High-Tech' der Echoortung, unser 'High-Tech' zur 'Sichtbarmachung' der Ortungslaute (Detektorarbeit), ihre engen verwandtschaftlichen (Säuger, aufwendige 'Einzel'-Kindererziehung) und räumlichen (Mitbewohner in unseren Häusern, Lebewesen unseres Wohnumfeldes) Beziehungen zu uns, ergeben zusammen ein positives Spannungsfeld zur Vermittlung gezielter Naturschutzbotschaften." [RICHARZ 1993]

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Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 20.Oktober 1996

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