bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 2 Grundlagen zum Thema -Fortsetz.-

Biologie und Ökologie der Fledermäuse Erfassung von Fledermäusen Ökologische Besonderheiten der Stadt

Ökologische Besonderheiten der Stadt

Welche Strukturen sind es, die die Stadt als besonderen Lebensraum für Fledermäuse kennzeichnen? Daß Lehrbücher inzwischen stadtökologische und großstadtfaunistische Fragestellungen bearbeiten, deutet als Indiz darauf hin, daß die Stadt als Lebensraum für die Tiere eine besondere Rolle spielt.

Städte gelten als wirtschaftliche und kulturelle Zentren der Menschen, die sich durch verstärkte Aufgaben in Verkehr und Verwaltung und ein vielgestaltiges soziales Gefüge und Aussehen von der einheitlicheren ländlichen Siedlung unterscheiden. Soweit zu Aussagen, wie sie im lexikalischen Nachschlagewerk stehen könnten. Aus ökologischer Sicht scheinen die hohe menschliche Siedlungsdichte, die daraus bedingte Anhäufung großer Baumassen und der somit hohe anthropogene Einfluß die Stadt zu kennzeichnen. Die Bebauungsstrukturen (Dichte und Art) ähneln sich in vielen mitteleuropäischen Städten unserer Zeit aufgrund analoger historischer Voraussetzungen und führen dadurch zu übereinstimmenden ökologischen Besonderheiten.

"Dabei ist die ökologische Verwandtschaft um so ausgeprägter, je größer die Stadt ist, und je weiter man in das Stadtinnere vordringt" [BLAB 1993]


Mittelstadt (20.000-100.000 Einwohner), Großstadt (100.000-1Mio. Einwohner) und Millionenstadt [KLAUSNITZER 1993a], die hier unter dem allgemeinen Begriff der "Stadt" betrachtet werden sollen, unterscheiden sich in einigen für Fledermäuse relevanten Bedingungen und Strukturen gegenüber kleineren menschlichen Siedlungen und dem naturnäheren Bereich außerhalb der menschlichen Agglomerationen.

"Das Klima städtischer Ballungsgebiete ist gegenüber dem Umland durch tiefgreifende Veränderungen des örtlichen Wärmehaushaltes gekennzeichnet. Ursachen hierfür sind:

Als Folgen treten jährliche Übertemperaturen von 0,5-1,5oC - in austauscharmen Wetterlagen können es bis zu 10oC sein -, bis zu 20% verstärkter Niederschlag, verstärkte Wolkenbildung und eine um 10-20% verminderte mittlere Windgeschwindigkeit auf [KLAUSNITZER 1993a].

Die Größe der Stadt, die ihrerseits abhängig von der Einwohnerzahl ist, wirkt sich als Faktor für die klimatischen Veränderungen aus (siehe Abbildung (5KB) zum Zusammenhang zwischen Einwohnerzahl und Wärmeinselintensität nach Fukuoka [1983] in KUTTLER [1993]).

"Die für Städte typischen Übertemperaturen ... entsprechen einem Höhenunterschied von 200-300m beziehungsweise einer Verschiebung nach Süden um etwa 300 km." [KLAUSNITZER 1993a]

Bezieht man diese Verschiebung auf die Verbreitung der Fledermäuse, wären also in bezug auf die klimatischen Grundbedingungen thermophile Arten zu erwarten, die in südlicheren Regionen beheimatet sind.

"Genauere Messungen haben zu der Erkenntnis geführt, daß die Wärmeinsel [der Stadt] nicht einheitlich .., sondern mehrkernig [ist] ..." [KLAUSNITZER 1993a]

Größere Grünanlagen wirken kühlend, Innenstadt und Einkaufszentren dagegen als "Wärmepolster". Für Berlin stellt SUKOPP [1990] fest, daß die Überwärmung im Kerngebiet, in der Blockbebauung und in stark versiegelten Industrieflächen am größten sind.


Als typisch städtische Struktur und im Hinblick auf die Quartieransprüche der Fledermäuse sind die bebauten Gebiete der Stadt bedeutsam. Man kann diese unter Anlehnung an SUKOPP [1993], in Zonen unterschiedlicher Gebäudedichte aufteilen.

Die Zonen der geschlossenen und aufgelockerten Bebauung bieten durch geringe nächtliche Abkühlung und so gut wie keine Frostgefahr gute Voraussetzungen, um im Winter durch Fledermäuse besiedelt zu werden.

Dies Bebauungszonen der Stadt bieten den Fledermäusen Quartiere an und in Gebäuden. Keller, Dachböden und Außenfassaden an Gebäuden finden sich in allen Zonen der Städte als mögliche Fledermausquartiere in großer Anzahl. Der Quartiertyp der Felshöhlen ist dagegen in Städten, die sich auch in gebirgigen Regionen immer in den Tälern entwickelt haben, selten.

Das Baumhöhlenangebot in städtischen Wäldern und Parkanlagen ist sehr unterschiedlich. Alte Parkanlagen können durchaus hohe Baumhöhlendichten aufweisen. Wegesicherungsmaßnahmen führen aber oft zur Beseitigung und Zerstörung der für Waldfledermäuse wichtigen Baumhöhlen und baumhöhlenfähigen Altbäume. Baumhöhlen in Straßenbäumen und Bäumen kleinerer Grünanlagen sind in Städten nicht zu erwarten, da diese Solitärstämme stärker durch Wegesicherungsmaßnahmen beeinflußt werden [BRISKEN 1983].


Als denkbare Jagdräume in Städten kommen vor allem größere Grünflächen in Frage. Wie im Falle des Berliner Tiergartens können Parkanlagen als weitere typisch städtische Struktur inmitten der Stadt in der Zone geschlossener Bebauung liegen. Parkanlagen ähneln oft offenen, lichten Geländen mit Wiesen und Waldrändern, zeigen aber manchmal waldähnlichen Charakter (z.B. Berliner Volkspark Jungfernheide und der Wiener Lainzer Garten). Parkanlagen wurden in Städten als "Erholungsoasen" des Menschen geschaffen und bieten neben Wäldern, die in einige Städte hineinragen, Jagdräume für Fledermäuse. Kleine Grünflächen, die in der Zone der aufgelockerten Bebauung existieren, bieten den Fledermäusen wenige Möglichkeiten zur Jagd. Die Zone der geschlossenen Bebauung wartet mit minimalen Jagdressourcen infolge des geringen Grünanteils auf. Villenviertel und Einfamilienhaussiedlungen entsprechen dagegen stärker den Jagdansprüchen bestimmter Fledermausarten.

Insektenanziehende Beleuchtungskörper im gesamten Gebiet der Städte stellen Fledermäuse hohe Beutedichten zur Verfügung.

Gewässer sind in Städten als kleinere Gewässer in Grünanlagen neben Seen und Flüssen (an denen die Städte entstanden sind) vorhanden. Durch städtische Abwässer stark eutrophiert, lassen sie große Mengen an Zuckmücken (Chironomidae) erwarten [KLAWITTER 1986].

Andere Stadtstrukturen, die in einem gewissen Maße von Fledermäusen als Jagdraum genutzt werden können, sind Sportanlagen, Botanische und Zoologische Gärten, Innerstädtische Brachflächen, Bahnanlagen, Friedhöfe, Kleingartenanlagen und Entsorgungsflächen (z.B. Mülldeponien).

Angaben, inwieweit das Insektenangebot in Städten den Fledermäusen als Nahrung entgegenkommt, lassen sich nicht finden. Einerseits korrelieren städtische Insektenfaunen nicht offensichtlich mit dem Beutespektrum der Fledermäuse, andererseits sind die Kenntnisse über die Nahrungspräferenzen der Fledermausarten auch nur unzureichend bekannt.


Blättern: Erfassung von Fledermäusenzurück vorFledermäuse in mitteleuropäischen Städten


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 21.Oktober 1996

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