bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 2 Grundlagen zum Thema -Fortsetz.-

Biologie und Ökologie der Fledermäuse Erfassung von Fledermäusen Ökologische Besonderheiten der Stadt

Erfassung von Fledermäusen

Fledermäuse gehören durch ihre Fortbewegungsmethode des Fluges und ihre nachtaktive Lebensweise zu den am schwierigsten erfaßbaren Säugetieren.

Da nur unzureichende Kenntnisse über Fledermäuse vorliegen, sprechen viele Autoren fledermauskundlicher Veröffentlichungen nur von Nachweisen, wenn sie die Tiere beschreiben möchten. So wird z.B. geschrieben, daß eine Art in einem Lebensraum nachgewiesen sei, nicht jedoch, daß diese Art ihren Lebensraum dort hat. Diese sprachlich sehr diffizile Beschreibungsweise beruht auch auf den schwierigen Erfassungsmethoden, die bei Fledermäusen angewandt werden müssen. Da eine durchgehende Beobachtung in der Nacht nicht möglich ist, werden Fledermäuse in der zeitlichen Dimension nur punktuell erfaßt.

Ich spreche in meiner Arbeit oft von Nachweisen, ohne auf die genaue Erfassungsmethode einzugehen. Es ist nicht möglich, diese im einzeln mit in die Bewertung der Tiere einzubeziehen. Die Nachweise, die in den Veröffentlichungen beschrieben werden, basieren aber auf einer Anzahl von Methoden, die nun folgend, im Zusammenhang ihrer einschränkenden Möglichkeiten, beschrieben werden sollen.


"Gemeint ist damit das Begehen und Absuchen von [Dachböden und] Kellern der verschiedensten Art ..., die aufgrund ihrer mikroklimatisch ([im Winter] hinreichende Feuchte und kühl, aber frostsicher) und strukturellen Bedingungen (Hangplätze und Versteckmöglichkeiten) von Fledermäusen angenommen werden." [VIERHAUS 1988]

Gesucht werden dabei nicht nur Tiere, auch Kotreste deuten für den Fachmann auf die Tiere hin, lassen aber keine genaue Artbestimmung zu. Allgemein kann die Bestimmung von Bestandszahlen sehr schwierig sein, vor allem wenn es sich um spaltenbewohnende Tiere handelt.

Im Winter ist das Ausleuchten von Spalten problematisch. Tiere könnten dadurch erwachen und unnötige Fettreserven verbrauchen.

Derartige Untersuchungen führen zu einer Übersicht der Arten, die diese Quartiertypen besiedeln, zur Kenntnis über bevorzugte Quartiertypen, Landschafts- und Klimaräume und zu Bestandsentwicklungen einzelner Arten. Der Einfluß der Witterung mit dem resultierenden Populationsgang und verschieden gewählte Zähltermine können die Daten dabei sehr unterschiedlich ausfallen lassen.

"Mopsfledermäuse ... [tauchen] oft erst im Gefolge längerer Frostperioden in unterirdischen .. [Winterquartieren] auf. Zählungen im Hochwinter sind daher methodisch empfehlenswert, auch wenn in vielen Quartieren oft erst im Spätwinter die höchsten Zahlen beobachtet werden... Große Bartfledermäuse ... [neigen] dazu, ein bestimmtes [Wochenstubenquartier] nicht während der ganzen Aufzuchtphase zu benutzen, so daß nur in einem kurzen Zeitraum die maximale Kopfstärke erreicht wird...

Langfristige Untersuchungen führen .. zu Dominanzangaben von den Arten im Winterquartier, während sich daraus ihre Abundanz in einem bestimmten Gebiet nicht ableiten läßt. So zeigt die Diskrepanz zwischen den vergleichsweise geringen Zahlen einzelner Arten aus dem Winter und den ermittelten Wochenstubenbeständen sowie der z.T. erhebliche Unterschied zwischen den in Höhlen im Herbst einfliegenden ... und dann im Winter selbst darin gefundenen Exemplaren, daß wir bei weitem nicht alle Winterquartiere finden oder sie nicht für uns zugänglich sind, bzw. daß sehr viele Tiere sich unauffindbar in Spaltensystemen oder gar im Bodengeröll ... verstecken ... [VON HELVERSEN [1989] spricht von 95% aller Großen Mausohren, deren Winterquartiere uns nicht bekannt sind]

Auch müssen Konzentrationen einer Art in einem Winterquartier nicht eine hohe Dichte in der Umgebung widerspiegeln. Vielmehr können wanderfähige Tiere aus einem weiten Umfeld zu einem einzigen Quartier fliegen. Besonders im Norddeutschen Tiefland dürfte der Mangel an günstigen unterirdischen Räumen zu größeren Zahlen etwa in Höhlen und Stollen am Mittelgebirgsrand führen." [VIERHAUS 1988]

Entsprechend können im Sommer große Weibchenansammlungen bei Arten wie dem Großen Abendsegler an Orten auftreten, die offenbar nicht identisch sind mit den Lebensräumen der eigentlichen, kleineren Wochenstuben [VIERHAUS 1988].

Bei anderen Fledermausarten kann man zwischen eigentlichen Wochenstuben und anderen Sommerquartieren durchaus unterscheiden. So ist eine Ansammlung von Fledermäusen in einem Sommerquartier nach VIERHAUS [1988] dann als Wochenstube anzusehen, wenn dort säugende Weibchen bzw. unselbständige Jungtiere nachgewiesen sind.

Um zu absoluten Häufigkeiten zu kommen, können in Sommer Flugbeobachtungen von abends ausziehenden Tieren gemacht werden. Lichtschranken können diese Methode verbessern. Zurückbleibende Tiere können bei jedoch das Ergebnis verfälschen.

Für viele Arten sind Aussagen zu Bestandsentwicklungen aus reinen Gebäudeuntersuchungen nicht möglich.

"Bei den seltenen Arten sind Veränderungen der jährlichen Nachweiszahlen statistisch nicht signifikant. Häufigere Arten, die die regelmäßig kontrollierten Winterquartiere nicht oder kaum benutzen, z.B. Abendsegler, Breitflügelfledermaus, Rauhhautfledermaus, müßten mit gleichbleibender Methodik in ihren Sommerquartieren gezählt werden. Leider ist aber nur ein Bruchteil dieser Quartiere erfaßbar. Selbst bei Arten, von denen mehrere Quartiere bekannt sind, wie etwa beim Abendsegler, würden langjährige Zählungen nicht zu methodisch einwandfreien Ergebnissen führen. Die Neigung zum spontanen Wechsel des Quartiers ist gerade bei baumbewohnenden Arten sehr groß. Scheinbare Bestandsveränderungen können also schlicht auf Quartierwechsel beruhen." [KLAWITTER 1986]

Baumhöhlen und Nistkastenkontrollen erlauben die Erfassung von Waldfledermausarten. Laut Heise [1982] in VIERHAUS [1988] lassen sich bei genügender Dichte der Kästen und untersuchten Baumhöhlen brauchbare Angaben zur Häufigkeit machen. Fledermauskästen dienen dem Sichtbarmachen von Fledermäusen. Einige Arten nutzen die Kästen zeitweilig als Ersatz für Baumquartiere [LEHNERT & PALLUCH 1992], die für den Menschen teilweise nur schwer auffindbar sind. Andere baumhöhlenbewohnende Arten nutzen Kästen allerdings nicht, und sind bei Nistkastenkontrollen nicht nachweisbar.

Einerseits unterschiedliche Häufigkeiten, aber auch verschiedene Artenspektren werden bei der Kontrolle von fledermausgerechten Kästen und "normalen" Vogelnistkästen erzielt [LEHNERT & PALLUCH 1992].

Bevorzugte Baumhöhlen liegen immer außerhalb der Reichweite des Menschen und lassen sich nur schwer mit Leiter und Spiegel kontrollieren. Nur durch ein Abfangen vor dem Ausgang der Höhle kann man die Arten bestimmen. Große Abendsegler lassen sich aufgrund ihres hohen Gezeters aufspüren, bei anderen Arten ist dies schwieriger.

Unterschiedliches Wochenstuben- und Quartierwechselverhalten führen auch bei Baumhöhlen- und Nistkastenkontrollen wie bei Gebäudebegehungen zu Problemen bei der Bewertung der Nachweise.


"Um Arten wie Abendsegler ..., Breitflügel- und Wasserfledermäuse ... zu kartieren, und um sich einen ungefähren Eindruck von ihrer Häufigkeit in verschiedenen Landstrichen zu verschaffen, eignet sich die Beobachtung jagender Tiere. Auch fliegende Langohren (Plecotus spp.) lassen sich anhand ihrer Rufserien nachweisen. Zugbedingte Dichteschwankungen besonders beim Abendsegler ... oder schlechtere Beobachtbarkeit jagender Abendsegler; Breitflügel- wie auch Zwergfledermäuse ... im Hochsommer bereiten hierbei erhebliche systematische Schwierigkeiten. Ferner erlauben Fledermauskonzentrationen in geeigneten Jagdgebieten wie etwa im Bereich von Waldrändern, Gewässern, z.T. auch über Müllkippen wenig eindeutige Rückschlüsse auf ihre Dichte in einem Bereich ..." [VIERHAUS 1988]

Die entscheidende Einschränkung für Flugbeobachtungen, nämlich daß sie nur in der Dämmerung vollzogen werden können, kann durch den Einsatz von Bat-Detektoren durchbrochen werden. Diese Frequenzwandler wandeln die von den Fledermäusen ausgestoßenen Frequenzen in für den Menschen hörbare um. Aus den Frequenz- und Amplitudenverläufen der Laute lassen sich einige Arten bestimmen [WEID 1988]. Langohren indessen können z.B. infolge ihrer leisen Ultraschallaute und ihres bodenständigen Jagdverhaltens nur schwer erfaßt werden [JANSEN 1993].

Netzfänge finden an Stellen statt, die es erlauben, sogenannte Japannetze, die auch zum Vogelfang benutzt werden, oder rechteckige Rahmenkonstruktionen, die mit Reihen von Nylonfäden bespannt sind und im unteren Drittel in einen Plastiksack hineinragen (Tuttle-Trap), aufzustellen. Man kann Netzfang nutzen, um Tiere in ihrem Jagdraum zu untersuchen. Nur niedrig in Netzhöhe fliegende Tiere werden bei dieser Methode erfaßt.

Zur genaueren Artbestimmung bei allen Arten von Quartieren werden Tiere beim Aus- oder Einflug mit Netzkonstruktionen gefangen. In Berlin werden in einer großen Festungsanlage (Spandauer Zitadelle), die als Winterquartier dient, Tiere u.a. in den Wehrgängen mittels dieser Methode nachgewiesen.


Zufällige Funde von Fledermäusen, die teilweise von Dritten an die Fledermauskundler herangetragen werden, belegen bestenfalls die Vorzugslebensräume der Tiere. In Städten werden Zufallsfunde vorwiegend in den bebauten Stadtgebieten gemacht, Waldarten werden dadurch nicht nachgewiesen, andere hingegen verstärkt. Zwergfledermäuse werden z.B. laut GAISLER [1985/86] durch Invasionsnachweise - Nachweise von in Gebäude (u.a. in Wohnzimmer an Vorhänge, hinter Bilder und in Fensterrahmen) einfliegenden Tieren - überbewertet.

Ein großer Anteil an gefundenen toten und verletzten Tieren kann zu einer Verzerrung der Ergebnisse in bezug auf die tatsächliche Lebensraumnutzung führen, da diese Tiere in ihrem Leid eventuell andere als die üblichen Lebensräume aufsuchten.

Bei durch Presseaufrufe forcierten Fundmeldungen können sich

"... [a]us der Summe der anfangs vielleicht nur spärlich eingehenden Meldungen .. mit der Zeit wertvolle Erkenntnisse herauskristallisieren, z. B. mögen sich jahreszeitliche Gipfel ergeben, und durch geografische Unterschiede in der Fundhäufigkeit werden bevorzugte Lebensräume erkennbar. Ferner kann die Zu- bzw. Abnahme von Nachweisen einzelner Arten als Indikator für entsprechende Populationsschwankungen dienen... Schließlich geben Todfunde unter anderem Aufschluß über verschiedene Todesursachen, beispielsweise kann so das Ausmaß der Dezimierung durch den Straßenverkehr deutlich werden." [VIERHAUS 1988]

Nachweise durch Zufallsfunde wie auch durch Flugbeobachtungen, Netzfänge und Bat-Detektor lassen nicht auf Quartiere schließen. Wandernde und bezüglich ihrer Jagdräume sehr mobile Tiere können aus anderen Gebieten einfliegen, und gehören nicht zu örtlichen Populationen. Sie können somit nur als Indikator für Populationsdichten dienen.


Fledermausring

Die Beringung von Fledermäusen am Unterarm mit Klammern, denen eine Registriernummer eingraviert ist (Abbildung aus [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987]), dient über Wiederfänge unter anderem zur Aufklärung von Wanderungen und Quartierwechseln, Heimfindevermögen, Quartiertreue, Hangplatzwechsel innerhalb des Quartiers, Dauer der Schlafphasen im Winter und der Altersstruktur der Populationen [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987]. Um die manchmal auftretenden Verletzungen durch die Ringe nicht zu Todesfällen und einer zu starken Beeinträchtigung der Fledermäuse werden zu lassen, sind Beringungen von sich in Wochenstuben befindenden Tieren verboten [Schober & Grimmberger 1987].


Bei dieser Methode werden einzelnen Tieren kleine Sender in das Fell geklebt oder angebunden, die nach einigen Wochen - nachdem die Sendeleistung auch ausgefallen ist - vom Tier abfallen. Über die empfangenen Signale ist eine Ortung der Tiere möglich. Es können Aussagen zum Quartierwechselverhalten, zur Lebensraumnutzung während der Jagd u.a. erlangt werden. Wichtig für konkrete Schutzmaßnahmen: Es können bei Arten, deren Verstecke mit Hilfe anderer Methoden unauffindbar sind, Quartiere erfaßt werden [KALLASCH 1995].


Wie aus dieser Zusammenstellung bereits zu erkennen ist, müssen unterschiedliche Methoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Als Beispiel sei die Spandauer Zitadelle genannt. Über Jahre wurden die dort hauptsächlich im Winter vorkommenden Wasser- und Fransenfledermäuse nur durch Begehen der Wehrgänge der Festungsanlage erfaßt. Die Zählung der in den Spalten mit bloßem Auge erkennbaren Tiere führten zu dem Ergebnis, daß sich in der Anlage einige hundert Tiere der beiden Arten aufhalten [SUKOPP 1990]. Nach intensiven Beringungen der im Herbst und Winter in den Wehrgängen gefangenen Tiere läßt sich heute aus den Wiederfangquoten eine Anzahl von 11500 Wasser- und Fransenfledermäusen berechnen [LEHNERT & KALLASCH 1995]. Dieser Unterschied beruht nicht auf einer Zunahme der Population, sondern kann nur aus den verschiedenen Methoden abgeleitet werden.

Je nach Methode können auch verschiedene Arten verstärkt nachgewiesen werden. Wasserfledermäuse sind z.B. einfach bei der Jagd zu beobachten, schwieriger in den Quartieren [BENK 1981], da sie keine Nistkästen annehmen.

Einige Arten leben permanent oder nur partiell in kleineren Kolonien. Breitflügelfledermäuse gelten als allgemein schwer nachweisbar, da die Tiere nie in größeren Kolonien in ihren Gebäudequartieren vorkommen. Auch nach SPITZENBERGER [1993] ist diese Art meist unterbewertet, weil sie sich durch besonders vorsichtiges und scheues Verhalten der Beobachtung entzieht, und weil sie vor allem bewohnte Gebäude (Privathäuser) nutzt, die schlecht erfaßt werden können.

LEHNERT et al. [1993] kommen zu folgender Aussage:

"Die Telemetrierung von Breitflügelfledermäusen stellt nach wie vor die einzige erfolgversprechende Methode in der Großstadt dar, um Wochenstubenquartiere der Breitflügelfledermaus gezielt zu suchen."

Im Rahmen anderer Erfassungsmethoden bleiben in kleineren Gruppen lebende Arten oft unentdeckt.


Neben den Methoden hat auch die Bewertung einen Einfluß auf die Ergebnisse. So kann die Jungenaufzucht in einem Gebiet erst bei einem direkten Nachweis einer Wochenstube in ihrem Quartier belegt werden. Es kann aber auch aus Fängen von juvenilen Tieren auf die Existenz von Wochenstubenquartieren geschlossen werden.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß nur eine Kombination der sinnvoll angewendeten Erfassungsmethoden zu einem wirklichkeitsgetreuen Bild von Fledermauspopulationen in einem Lebensraum führt. Sollen Untersuchungen verglichen werden, die auf unterschiedlichen Erfassungsmethoden aufbauen, so können diese nicht absolut quantitativ verglichen werden. Dies gilt gleichermaßen, wenn es sich um den Vergleich der gesamten Lebensraumnutzung der Tiere in Städten handelt. Die beschriebenen Methoden erfassen die Tiere nur in bestimmten Teillebensräumen, quantitative Ergebnisse können nicht ohne weiteres auf andere übertragen werden.


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 21.Oktober 1996

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