bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 3 Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten -Fortsetz.-

Die Städte Die Fledermausarten in den Städten Einige Fledermausarten im Umland der Städte Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Untersuchungen zu den Bestandsentwicklungen bei Fledermäusen sind bisher noch selten. Das unzureichende Wissen über das Quartierwechselverhalten, natürliche Populationsschwankungen und generell über die Lebensräume machen es schwierig, Ergebnisse aus Quartierzählungen zu interpretieren. Nicht zuletzt die methodischen Unterschiede, die zwischen beobachtenden Naturkundlern des 19.Jahrhunderts und der letzten Jahrzehnte und Fledermäuse beringenden Fledermausforschern des 20.Jahrhundert existieren, machen es schwierig, Ergebnisse zu den Häufigkeiten der Fledermausarten aus verschiedenen Jahren (bzw. Jahrhunderten) zu vergleichen (siehe Abschnitt Erfassung von Fledermäusen).


Stadtfaunistische Ergebnisse zu Bestandsentwicklungen bei Fledermäusen liegen kaum vor, so daß die vorliegenden Untersuchungen aus den Städten nur wenige Hinweise geben. Diese betreffen z.B. hinsichtlich ihrer Jagdweise und Häufigkeit das auffällige Große Mausohr.

So vermerkten bereits FRIEDEL & BOLLE [1886] in Jahren, in denen Berlin erstmals zu einer großen Siedlungsagglomeration zusammenwuchs, zur Verbreitung der Art:

"Früher häufig bei Berlin, jetzt zurückgewichen."

Und EFFELDT [1873] schreibt noch früher:

"Diese grösste deutsche Fledermaus war bis zum Anfang der dreissiger Jahre eine der häufigsten Fledermäuse in der Umgegend Berlins, wurde aber im Laufe der Jahre immer seltener, bis sie Anfangs der vierziger fast ganz verschwand, und heute können wir sie als überhaupt gar nicht mehr in Berlin und anderen grösseren Städten der Mark vorkommend bezeichnen."

Damit deckt sich die Abnahme der Großen Mausohren genau mit einer Phase der Berliner Stadtentwicklung zur Großstadt:

"Bot bis ins 19. Jahrhundert hinein der vorwiegende Teil des späteren Groß-Berlin das Bild ländlicher Prägung mit ziemlich geringer Bevölkerungsdichte ..., so setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine rapide Aufwärtsentwicklung ein ... Der deutsche Zollverein öffnete seit 1834 den neu entstehenden Berliner Großindustrien einen gewaltigen Markt, der durch den Ausbau der Verkehrswege zunehmend erschlossen wurde ... Die industrielle Entwicklung brachte einen enormen Anstieg der Stadtbevölkerung mit sich." [SUKOPP 1990]

"1831 hatte Berlin 230.000 Einwohner, die bis 1847 auf 403.500 anstiegen." [BETHGE 1987]

"Nach 1870 hatte die Einwohnerzahl die Millionengrenze überschritten." [SUKOPP 1990]

Daß das Große Mausohr 1845 im Umland Berlins, im Gegensatz zum Bestandsrückgang in der Stadt, durchaus noch häufig war und somit keine großflächigen klimatisch begründbaren Populationsschwankungen die Ursache für die Bestandsminderung in Berlin waren, läßt sich aus der Aussage von SCHULZ [1845] vermuten, der das Große Mausohr in der Mark Brandenburg als "häufig" benennt.

Ähnlich wie in Berlin wurde das Große Mausohr in Basel [GEBHARD 1983] und Wien [SPITZENBERGER 1990] "historisch verdrängt", bzw. es sind starke Rückgänge zu verzeichnen. Inzwischen findet man die Tiere nur noch am Rand der Städte (in Wien im Lainzer Tiergarten - einem parkähnlichen naturbelassenen Wald). In Basel läßt sich zeigen, daß

"... die Verluste dann eingetreten sind, als die Siedlungsagglomeration rasch wuchs und traditionell eine Bewirtschaftung des Kulturlandes aufgegeben wurde. Ewald (1982) zeigt .., wie die früher isolierten Dörfer zur Agglomeration verschmolzen und wie die offenen, strukturreichen Zwischenflächen verschwanden... Ernährungsräume stehen [für die Großen Mausohren] heute nicht mehr zur Verfügung...

Da viele Fledermäuse bei uns synanthrop leben und oft an ganz bestimmte Kulturlandschaften angepasst sind, haben solche Umstrukturierungen ['die Technisierung der Landwirtschaft führt zur Monotonisierung der Kulturlandschaft'] einen grundsätzlichen Einfluß auf die Populationsentwicklung." [Gebhard 1983]

Bestandsrückgänge der Großen Mausohren sind allerdings nicht nur auf Städte beschränkt, in vielen Teilen Mitteleuropas sind sie zu verzeichnen [ROER 1980, SPITZENBERGER 1993]. Nach SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] gingen die Bestände in den letzten 20-30 Jahren um bis zu 80% zurück, stabilisierten sich dann aber in vielen Regionen auf niedrigem Niveau. Dies entspricht den Entwicklungen in Berlin, in dem sich die Bestandrückgänge nach KLAWITTER [1986] bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts fortsetzten. Danach verlangsamte sich der Rückgang erst, um sich dann seit 1975 zu stabilisieren.

Neben klimatischen Gründen für die Bestandsrückgänge, die sicherlich eine Rolle spielen, deuten die viel frühzeitigeren Bestandsrückgänge in Städten anthropogene Einflüsse, wie vorne beschrieben, als Ursache an, die komplexartig mit klimatischen Einflüssen verknüpft sein können [HORACEK & ZIMA 1984].

Auch die Mopsfledermaus ist der Entwicklung Berlins zu einer Großstadt zum Opfer gefallen. EFFELDT [1873] fand diese Art in Berlin im "Thiergarten" noch häufig. Genauso liegen ältere Nachweise der Art aus Basel vor, heute gehört sie nicht mehr zu den Bewohnern der Stadt. SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] sprechen bei Mopsfledermäusen aber von einem Populationseinbruch in den 60er Jahren. Inwieweit die Rückgänge in den Stadtbeständen auch in andere Zeiten fallen, und somit ursächlich in der Stadt zu suchen sind, läßt sich nicht sagen.

Die Bestandsrückgänge der Großen Hufeisennase in Basel und Wien und der Kleinen Hufeisennase in Basel liegen im gleichen Trend der allgemeinen Bestandsrückgänge dieser Arten in Europa [ROER 1980 und 1984]. Hauptursachen sind somit wohl nicht in der Stadt zu suchen, auch wenn sie anthropogener Natur sind [HORACEK 1984 und ROER 1984].

Die einzigen positiven Bestandsentwicklungen können bei der Wasserfledermaus in Berlin vermeldet werden. KLAWITTER [1986] belegt eine Zunahme der Nachweiszahlen für die Fledermausart, die auch in anderen Veröffentlichungen für nicht städtische Regionen Mitteleuropas beschrieben werden [ROER 1980, HORACEK 1984, STEBBINGS & GRIFFITH 1986, VOWINKEL 1991a und DIETZ 1993].


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 20.Oktober 1996

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