bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 3 Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten -Fortsetz.-

Die Städte Die Fledermausarten in den Städten Einige Fledermausarten im Umland der Städte Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Einige Fledermausarten im Umland der Städte

Fehlender Besatz von Städten mit Fledermäusen kann mit dem Fehlen der Arten im Umland der Städte begründet werden. In den entsprechenden Veröffentlichungen zu den Fledermausfaunen in den Städten fehlen meist Angaben zur Fledermausfauna im Umland der Städte, nur wenige Angaben werden nebenbei gemacht.


Für den Berliner Raum beschreibt DOLCH [1995] die Fledermausfauna des Berliner Umlands. Vergleicht man die Häufigkeiten, die KLAWITTER & PALLUCH [1987] für Winter und Sommer getrennt für Berlin darstellen, mit denen von DOLCH [1995] (siehe Tabelle unten), so ergeben sich auf den ersten Blick nur geringe Unterschiede.

Neben der Nordfledermaus und der Teichfledermaus, die in Berlin nicht und im Berliner Umland nur anhand sehr weniger Tiere nachgewiesen wurden, zeigen die eher seltenen Arten einige Unterschiede. So scheinen Graues Langohr, Große Bartfledermaus und Kleiner Abendsegler im Umland Berlins häufiger aufzutreten. Bei der Großen Bartfledermaus entspricht dies der Aussage von SCHOBER & GRIMMBERGER [1987], daß die Art weniger an den menschlichen Siedlungsraum gebunden ist. Das Graue Langohr hingegen ist nach SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] durchaus an den menschlichen Siedlungsraum gebunden, sie könnte also häufiger im Siedlungsbereich des Menschen auftauchen. Infolge der wenigen Nachweise, die von den in Berlin seltenen Tieren vorliegen, ist eine Fehleinschätzung dieser Arten möglich, so daß die Häufigkeitsunterschiede der drei Arten der unteren Tabellenhälfte als unerheblich angesehen werden dürfen, bzw. nicht weiter interpretierbar sind.


Tabelle 5

Häufigkeit der Fledermausarten in Berlin [KLAWITTER & PALLUCH 1987 ergänzt durch LEHNERT & KALLASCH 1995] und dessen Umland [DOLCH 1995]
0keine Nachweise1sehr selten2selten3zerstreut (nur bei DOLCH [1995])4verbreitet5relativ häufig Häufigkeit im Sommer in Berlin Häufigkeit im Winter in Berlin Häufigkeit im Berliner Umland
Breitflügelfledermaus 5 5 5
Zwergfledermaus 5 5 5
Wasserfledermaus 5 5 5
Braunes Langohr 5 5 5
Fransenfledermaus 2 5 4
Großer Abendsegler 5 2 4
Großes Mausohr 2 4 3
Rauhhautfledermaus 5 2 3
Graues Langohr 0 2 4
Zweifarbfledermaus 0 2 2
Große Bartfeldermaus 0 2 2
Kleine Bartfledermaus 0 2 2
Bechsteinfledermaus 0 2 2
Kleiner Abendsegler 2 0 2
Mopsfledermaus 0 2 2
Teichfledermaus 0 2 2
Nordfledermaus 0 0 2

Obwohl das Braune Langohr in Berlin wie im Berliner Umland als relativ häufig eingeschätzt wird, ist die Art doch die häufigste und weit verbreitetste im Berliner Umland [DOLCH 1995]. Die Stellung erreicht das Tier in Berlin nicht, womit sich die fehlende starke Bindung dieser Art an den menschlichen Siedlungsraum [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987] auch hier zeigt. Eine ähnliche Situation wie beim Braunen Langohr in Berlin scheint es laut SPITZENBERGER [1990] in Wien und laut GROSS [1986/87] in Hamburg zu geben. Braune Langohren, die in beiden Städten eher selten vorkommen, haben größere Vorkommen im Umland Wiens und Hamburgs.

Zwergfledermäuse treten in Städten oft als die häufigste Fledermausart auf, im Umland der Städte sind sie gleichfalls fast nie selten. In Bayreuth sind Zwergfledermäuse auch im Umland relativ häufig [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993]. Ihre starke Bindung an menschliche Siedlungen zeigt sich aber doch in Berlin, so sind Zwergfledermaus und Breitflügelfledermaus im Umland nicht die häufigsten Arten wie in der Stadt, wenn auch DOLCH [1995] sie als relativ häufig einschätzt. In Basel tritt die Zwergfledermaus im Siedlungsraum auf, ist im Umland hingegen seltener [GEBHARD 1983]. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich, von SPEAKMAN et al. [1991] wird berichtet, daß Zwergfledermäuse in Schottland trotz genügender Quartiermöglichkeiten in der Stadt Aberdeen hauptsächlich in deren Umland an zwei Flüssen vorkommen. Er begründet dies, indem er in diesem Fall die Nahrungsvorkommen an Fluginsekten als limitierenden Faktor vor den Quartiermöglichkeiten ansieht. Die beiden Gewässer bieten also entscheidend mehr Nahrung als die Stadt.

Auch wenn die Breitflügelfledermaus entgegen ihrer Stellung als zweithäufigste Fledermausart Berlins [HAENSEL 1992a] im Berliner Umland diesen Stellenwert nicht ganz erreicht, kommt sie außerhalb von Städten als Bewohnerin der Dörfer relativ häufig vor. Ihr Status als typische gebäudebewohnende Dorffledermaus ist mit dem der Zwergfledermaus zu vergleichen, wobei sich Quartier und Jagdraum wenig unterscheiden:

"Die Breitflügelfledermaus ist in der Nordhälfte der DDR eine häufige Art, offenbar in den Ortschaften konzentriert." [HAENSEL 1989]

Ansonsten ergeben die vorliegenden Untersuchungen nur wenige Hinweise zum Vorkommen der Fledermäuse im Umland der Städte.

So scheint die Wasserfledermaus, abhängig von dem Vorhandensein von Gewässern mit naheliegenden Quartiermöglichkeiten, im Umland der Städte meistens relativ häufig zu sein, und es lassen sich keine Bestandsunterschiede zwischen den Städten und den umliegenden Landschaften feststellen.

Das Große Mausohr findet sich in Basel [mündl. Mitt. von JÜRGEN GEBHARD] und Bayreuth [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993] häufiger in der Peripherie als direkt in den Städten. Um Bayreuth ist es in der Fränkischen Schweiz die häufigste Art.

Die Nordfledermaus wird außerhalb Bayreuths als Höhlenbewohner in den Karsthöhlen der Fränkischen Schweiz und des Fichtelgebirges gehäuft nachgewiesen. In Bayreuth selber ist die Art nicht zu finden [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993].

Ähnliches gilt für die Mopsfledermaus. Entgegen ihrem Fehlen in Bayreuth liegen Nachweise aus dem Fichtelgebirge vor, wo diese in Gebirgs- und Vorgebirgsregionen lebende Art [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987] in Höhlen zu finden ist [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993]. Auch im Berliner Umland kommt die Mopsfledermaus regelmäßig als Überwinterer in den Rüdersdorfer Kalkstollen vor, ist in Berlin hingegen sehr selten [HAENSEL 1992a], bzw. gilt nach der Roten Liste Berlins [ROTE LISTE BERLIN 1991] als ausgestorben.

Daß die Rauhhautfledermaus in Bayreuth nur als Zugtier in der Stadt verweilt, belegen die fehlenden Nachweise der Art im Umland der Stadt [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993].


Es läßt sich also feststellen, daß sich die Artenspektren der Städte und die sie umgebenden Gebiete nicht deutlich unterscheiden. Die kleinen Differenzen im Arteninventar und in den relativen Häufigkeiten deuten jedoch die unterschiedlichen Fähigkeiten der Fledermäuse an, den städtischen Lebensraum zu besiedeln.


Blättern: Weitere 12 Fledermausartenzurück vorBestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 20.Oktober 1996

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