bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 3 Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten -Fortsetz.-

Die Städte Die Fledermausarten in den Städten Einige Fledermausarten im Umland der Städte Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Die Fledermausarten in den Städten -Fortsetz.-
Tabelle


Weitere 12 Fledermausarten

Die zwölf Fledermausarten Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus), Fransenfledermaus (Myotis nattereri), Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini), Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri), Große Bartfledermaus* (Myotis brandti), Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros), Nordfledermaus (Eptesicus nilssoni), Weißrandfledermaus (Pipistrellus kuhli), Teichfledermaus (Myotis dasycneme), Wimpernfledermaus (Myotis emarginatus) und Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) (siehe Abbildung (58KB)) erscheinen in keiner der 24 Städte (Tabelle 1) generell als zu den häufigsten Fledermausarten gehörend.

Lediglich die in Mitteleuropa allgemein eher seltene Mopsfledermaus [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987], die in Deutschland vom Aussterben bedroht ist [ROTE LISTE DEUTSCHLAND 1994], zählt in Poznañs großen Winterquartieren zu den häufigsten Fledermausarten [BOGDANOWICZ 1983]. Die Fransenfledermaus ist in Berlin neben der Wasserfledermaus in größeren (z.B. 7000 Tiere in der Spandauer Zitadelle [LEHNERT & KALLASCH 1995]) und neben dem Braunen Langohr in kleineren Gebäudewinterquartieren die häufigste Fledermausart im Winter [KLAWITTER & PALLUCH 1987]. Obgleich die Art auch im Sommer an Spaltenquartieren von Gebäuden zu finden ist (z.B. in Kassel [JANSEN 1993]), bezeichnen sie SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] als Waldfledermaus. Wie dies in Tabelle 4 zu erkennen ist, nutzen Fransenfledermäuse Wälder als Hauptjagdraum.

Genauso bezeichnen SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] die Große Bartfledermaus, die Bechsteinfledermaus, die Mopsfledermaus und den Kleinen Abendsegler als Waldfledermäuse. Bei der Bechsteinfledermaus und dem Kleinen Abendsegler folgt dies nicht nur aus ihrem Jagd- und Sommerquartierverhalten. Beide Arten bevorzugen Baumhöhlen ganzjährig als Quartier. Weil sie als Waldfledermäuse hohe Ansprüche an den Wald haben [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993] - ausreichend Baumhöhlen und dem Beutespektrum der Tiere entsprechende Insektenfaunen finden sich vornehmlich in Altholzbeständen -, genügen diesen Tiere in Städten vorhandene Parkanlagen vermutlich nicht als Lebensraum. Die Bevorzugung von Altholzbeständen durch den Kleinen Abendsegler und die Nutzung von Baumhöhlen durch die Große Bartfledermaus belegt JANSEN [1993] in Kassel. Nachweise von in Alteichen lebenden Bechsteinfledermäusen beschreiben BUCK et al. [1990] in Bamberg und SPITZENBERGER [1990] in Wien.

Wenn Große Bartfledermäuse und Bechsteinfledermäuse die Stadt wegen fehlender Jagdmöglichkeiten im Sommer meiden, so tun sie dies auch im Winter. Alle drei Arten werden von SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] als ortstreu (bzw. nur wanderfähig) eingestuft. Kleine Abendsegler [ARNOLD & SACHTELEBEN 1993] hingegen überwintern nur in wärmeren Regionen Europas, ziehen im Winter also auch nicht in die Städte Mitteleuropas sondern über bis zu 810km in den mediterranen Raum Südeuropas [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987].

Nachweise aus den Stadtzentren finden sich bei 2 der 12 "weiteren in Städten vorkommenden Arten" nur in den Zeiten der Quartierwechsel im Frühjahr und Herbst. Flüge im Herbst und Frühjahr im Stadtzentrum wurden von Kleinen Hufeisennasen in Brno [GAISLER 1979] und von Kleinen Bartfledermäusen in Wien [SPITZENBERGER 1990] nachgewiesen.

Die Kleine Bartfledermaus hat innerhalb der 12 Arten eine Sonderrolle, sie wird in mehr als der Hälfte der Städte - 16 von 24 Städten (Tabelle 1) - nachgewiesen. Ich habe sie trotzdem in die Gruppe der Fledermausarten dieses Abschnitts mitaufgenommen, weil auch sie nirgends als häufige Fledermausart in den Städten auftaucht. Ihre engere Bindung an menschliche Siedlungen im Vergleich zu ihrer Schwesterart, der Großen Bartfledermaus, die nur in 6 Städten vorkommt, stellen jedoch auch SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] dar. Danach bezeichnen sie die Kleine Bartfledermaus eher als Hausfledermaus, und die Große Bartfledermaus als weniger an den menschlichen Siedlungsraum gebunden. Trotzdem könnte ihre enge Bindung an Wälder als Jagdraum und Sommerquartier der limitierende Faktor für das Vorkommen der Art in Städten sein [KRAUS & GAUCKLER 1972]. So kommt sie in den Städten zwar vor, erscheint aber immer nur als seltene Fledermausart.

Für einige Fledermausarten könnte auch die Bevorzugung von freien Hangplätzen in Gebäudequartieren der limitierende Faktor für das Vorkommen in Städten sein. Während in der durch Landwirtschaft geprägten Kulturlandschaft außerhalb der Städte viele Wirtschaftsgebäude noch in schlechten Bauzuständen sind, in denen viele Löcher den Zugang zum Dachboden von Gebäuden ermöglichen, fehlen solche Einflugmöglichkeiten in gut isolierten und abgedichteten Stadthäusern oft. 9 der "12 weiteren in Städten vorkommenden Fledermausarten" - Kleine und Große Hufeisennase, Kleine und Große Bartfledermaus, Bechsteinfledermaus, Nordfledermaus, Mopsfledermaus, Teichfledermaus und die Wimpernfledermaus - nutzen gehäuft Dachböden als Winterquartier, 4 der in Städten seltenen Arten - Kleine und Große Hufeisennase, Teichfledermaus und Wimpernfledermaus - tun dies auch im Sommer (siehe auch Tabelle 4).

Wenn auch 7 der 12 Arten in Mitteleuropa in allen Gebieten grundsätzlich vorkommen, ist das Fehlen einiger Arten in den Städten mit dem allgemeinen Fehlen der Tiere in den Regionen Mitteleuropas zu begründen. Die südliche Verbreitungsgrenze der Teichfledermaus zieht sich am 48. Breitengrad (z.B. München) durch Mitteleuropa [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987], aber auch nördlicher ist sie allgemein selten. BOGDANOWICZ [1983] kommt zu der Aussage, daß Teichfledermäuse in Mitteleuropa überall gleichermaßen in geringer Anzahl vorkommen. Lediglich in urbanen Lebensräumen fehlen sie, weshalb sie sich als Anzeiger für den Urbanisierungsdruck auf einen Lebensraum einsetzen lassen. Die Problematik "Fledermäuse als Bioindikator" soll hier aber nicht weiter vertieft werden. In Deutschland vom Aussterben bedrohte Wimpernfledermäuse [ROTE LISTE DEUTSCHLAND 1994] bewohnen generell nur "klimatisch günstigere Regionen Zentraleuropas*", weshalb sie auch nur im klimatisch günstigen Brno als seltener Gast vorkommen [GAISLER 1979]. Die nördliche Verbreitungsgrenze der Südeuropa bewohnenden Weißrandfledermaus zieht sich durch die Schweiz und Österreich [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987], ihr alleiniges Vorkommen in Linz, Zürich und Luzern ist damit verständlich.

Kleine und Große Hufeisennase bewohnen Mitteleuropa nur bis zum 52. Breitengrad (Berlin liegt bei 52o30'N). Infolge starker Populationsrückgänge in den letzten Jahrzehnten, die in Deutschland fast zum Aussterben der Arten führten [ROTE LISTE DEUTSCHLAND 1994], existieren allgemein nur noch sehr wenige Nachweise dieser beiden Arten [ROER 1980 und 1984]. Daß Kleine Hufeisennasen in 5 der 24 Städte, Große Hufeisennasen nur in London vorkommen, belegen die Aussagen von HORACEK & ZIMA [1979], die die Kleine Hufeisennase als in ihrem "Synanthropisationsprozeß" fortgeschrittenere Art der beiden Hufeisennasen einstufen. Daraus folgt, daß ihre Bindung an menschliche Siedlungen stärker ausgeprägt ist.

Zu allerletzt bleibt die Nordfledermaus. Sie ist Mitteleuropas einzige echte Gebirgsfledermaus und kommt in Mitteleuropa in mittleren Gebirgslagen (bis 2290m) und im Gebirgsvorland vor [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987]. Obgleich neuere Befunde ihr Vorkommen auch im Flachland belegen [DOLCH 1995], deuten die Vorkommen in Zürich und Linz die Neigung der Art zum Gebirge an. Das Vorkommen in London beruht auf dem ersten und bisher letzten Nachweis (durch eine Fotografie belegt) der Nordfledermaus für Großbritannien!


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Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
Braunes Langohr (Plecotus auritus)
Wasserfledermaus (Myotis daubentoni)
Großes Mausohr (Myotis myotis)
Graues Langohr (Plecotus austriacus)
Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus)
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)
Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
Weitere 12 Fledermausarten

Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 21.Oktober 1996

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