bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 3 Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten -Fortsetz.-

Die Städte Die Fledermausarten in den Städten Einige Fledermausarten im Umland der Städte Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Die Fledermausarten in den Städten -Fortsetz.-


Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

Allgemeine Verbreitung Vorkommen in Städten Quartiere Jagdraum Mobilität Tabelle

Allgemeine Verbreitung (siehe Abbildung (5KB) nach [STEBBINGS & GRIFFITH 1986])

Die Schwesterart der Zwergfledermaus kommt nach CORBET & HARRIS [1991] und STEBBINGS & GRIFFITH [1986] vor allem im östlichen Zentral- und Südeuropa mit den größten Beständen in Rußland vor. Kleinere Populationen existieren im Norden bis zur Ostsee, im Osten bis zum Ural, Kaukasus und Kleinasien, im Westen bis nach Frankreich und im Süden im europäischen Mittelmeerraum abgesehen von Teilen der iberischen Halbinsel. Die Britischen Inseln, Skandinavien, Dänemark sind so gut wie "Rauhhautfledermaus-frei".

Vorkommen in Städten

Rauhhautfledermäuse tauchen in 14 der 24 Städte (Tabelle 1) auf. Infolge ihres Wanderverhaltens (s.u.) liegen aber fast ausschließlich Nachweise nur aus einer Jahreshälfte vor. Zu den häufigsten Fledermäusen zählt die Art anscheinend in keiner Stadt Mitteleuropas. Auch SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] bestätigen, daß die Art selten in menschlichen Siedlungen zu finden ist.

So findet man die Rauhhautfledermaus nach KLAWITTER [1986] in Berlin fast nur im Sommer. Auch in Kassel [Jansen 1993] werden die Tiere nur im Sommer nachgewiesen und finden sich nie im stark bebauten Stadtgebiet.

ARNOLD & SACHTELEBEN [1993] stellen in Bayreuth die meisten Nachweise an baumbestandenen Gewässern bei Rauhhautfledermäusen fest, wobei die Tiere die Stadt auf ihren Wanderungen im Herbst und Frühjahr nur kurz besiedeln.

Wiederfunde von beringten Rauhhautfledermäusen aus Berlin bezeugen die eigentlichen Überwinterungsgebiete in Frankreich, Belgien, Schweiz, Österreich und dem Süden Deutschlands [HAENSEL 1992a]. Entsprechend ihrer Lage in Wintereinzugsgebieten dieser Art, findet man in den Städten Basel, Zürich [GEBHARD 1983] und Wien [SPITZENBERGER 1990] fast nur im Winter Rauhhautfledermäuse. In Basel führt der Rhein als in Zugrichtung liegende Leitlinie die wandernden Rauhhautfledermäuse in die Stadt, die sich dann hauptsächlich innerhalb der Siedlungsagglomeration ansiedeln.

" Es ist schon erstaunlich, dass etwa 7-9 Gramm schwere Fledermäuse Wanderungen (bis 750km, d.Verf.) unternehmen, um dann im Winter in weit entfernten menschlichen Ballungsräumen wieder vermehrt aufzutauchen." [GEBHARD 1983]

HAENSEL [1992a] belegt für Berlin mit einigen Nachweisen die Tendenz dieser Art, zumindest in den letzten Jahren im Ostteil der Stadt zu überwintern. Lediglich Nachweise männlicher Einzeltiere zeigen,

"... daß Überwinterungsversuche in unseren Breiten, wohl aufgrund von (mikro)klimatisch günstigen Bedingungen im Stadtgebiet noch zu den Ausnahmen gehören."

In Brno [GAISLER & BAUEROVA 1985/86] taucht die Rauhhautfledermaus nur als "accidental visitor" auf, weitere Informationen liegen über die Art aus Brno nicht vor.

Quartiere

Im Sommer stammen die meisten Nachweise in Berlin aus Nistkästen in Wäldern, wobei sie für diese Quartierform die häufigste Fledermausart in Berlin ist [KLAWITTER 1986]. Betreffend der Funde von Rauhhautfledermäusen in Nistkästen stellen LEHNERT & PALLUCH [1992] fest, daß die Nachweise sich in oder in der Nähe baumhöhlenreicher Altholzbestände und sogar an Altholzinseln lichter laubholzreicher Bestände häufen. Wochenstuben sind bisher unbekannt, aber wahrscheinlich [KLAWITTER 1986]. U.a. HAENSEL [1992a] legt auch Nachweise für Paarungsgruppen vor, wobei Tiere auch innerhalb weniger Tage das Paarungsgebiet über eine Entfernung von 57km (in Zugrichtung) wechselten.

In Kassel besiedeln die Tiere im Sommer nur Baumhöhlen. Direkt im Stadtgebiet sind sie nicht nachgewiesen. Winternachweise in Basel stammen hauptsächlich aus Gebäuden (Spaltenquartiere, Einflüge in Wohnungen), teilweise auch aus Nistkästen und Baumhöhlen [GEBHARD 1983].

Damit bezeugen die Quartiernachweise der "Waldfledermaus" aus den Städten die bisherigen Erkenntnisse über ihre bevorzugten Quartiere: Im Sommer wird sie verstärkt in Nistkästen gefunden, die Rauhhautfledermaus bewohnt aber auch Baumhöhlen und Stammrisse [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987]. FIEDLER [1993] belegt die Wichtigkeit von Gewässern vermutlich als Jagdraum in der Nähe der Quartiere. Spaltenquartiere an Gebäuden werden fast nur im Winter genutzt, als bevorzugte Winterquartiere werden Felsspalten (teilweise in Höhlen) nachgewiesen, die in Städten schwer zu finden sind und in Form von Spaltenquartieren an Gebäuden ersetzt werden [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987].

Jagdraum

Rauhhautfledermäuse jagen in offenem Wald, Waldlichtungen, Parkanlagen und über Wasserflächen kleine bis mittelgroße Fluginsekten. Auch in Berlin können jagende Rauhhautfledermäuse oft an Gewässern beobachtet werden [KLAWITTER 1986]. Zu Beginn der herbstlichen Wanderungszeit Richtung Süden (Süddeutschland, Schweiz, u.a.) tauchen Tiere vereinzelt im stark bebauten Stadtgebiet auf [KLAWITTER & PALLUCH 1987]. Sonst können keine Nachweise jagender Rauhhautfledermäuse aus diesen Gebieten erbracht werden.

Mobilität

Sämtliche Populationen der Rauhhautfledermaus in Polen, den Gebieten der neuen deutschen Bundesländer und der Tschechischen Republik wandern im Winter nach Österreich, in die Schweiz, die südlichen Gebiete Deutschlands und in die Slowakei. Wanderstrecken über 1000km (max. 1600km) wurden auch aus dem Hauptverbreitungsgebieten in Rußland nachgewiesen [STRELKOV 1969]. Auch sonst scheinen Rauhhautfledermäuse sehr mobil zu sein, Wechsel von Paarungsquartieren, wie in Berlin zwischen Stadt und Umland [HAENSEL 1992a], sind die Regel [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987]. Halbjährig ortstreue Populationen in Städten sind insofern nicht zu erwarten.


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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 21.Oktober 1996

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