bat ZUR ÖKOLOGIE VON FLEDERMÄUSEN IN MITTELEUROPÄISCHEN STÄDTEN bat


Inhaltsverz. Einleit. Grundl. Flederm. in Städten Stadtbewohner? Schutz Abstract Literat.


Kapitel 3 Fledermäuse in mitteleuropäischen Städten -Fortsetz.-

Die Städte Die Fledermausarten in den Städten Einige Fledermausarten im Umland der Städte Bestandsentwicklung einiger Fledermausarten in den Städten

Die Fledermausarten in den Städten -Fortsetz.-


Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

Allgemeine Verbreitung Vorkommen in Städten Quartiere Jagdraum Mobilität Tabelle

Allgemeine Verbreitung (siehe Abbildung (5KB) nach [CORBET & HARRIS 1991])

Die Breitflügelfledermaus ist nach SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] fast im gesamten Bereich Europas verbreitet. Lediglich in Finnland, Norwegen und dem Baltikum ist sie bisher nicht nachgewiesen worden. Nach CORBET & HARRIS [1991] liegen aus dem nördlichen Großbritannien auch keine Nachweise vor. Außerhalb Europas zieht sich ihr Verbreitungsgebiet quer durch Asien bis nach Korea. Auf Inseln im Mittelmeer und in Nordafrika kommt sie ebenfalls vor. Infolge ihres Verbreitungsschwerpunkts in Dänemark, Norddeutschland, den Niederlanden und Polen, bezeichnet sie KURTZE [1991] als

"... nordwest-europäische Art, die als typisches Faunenelement der Dörfer ihren Platz hat."

Vorkommen in Städten

In bezug auf ihre Bindung an menschliche Siedlungen bewerten neben HAENSEL [1992a] einige Autoren die Breitflügelfledermaus ähnlich wie die Zwergfledermaus. In menschlichen Bauwerken ganzjährig Quartier beziehend, lebt die thermophile Breitflügelfledermaus [KURTZE 1991] auch in Städten. Nach SPITZENBERGER [1990] nennt 1860 bereits Kolenati sie "einer unserer großen und häufigsten Stadtfledermäuse".

"Im eigentlichen Stadtgebiet [Berlins] (gemeint ist das dicht bebaute Territorium) stellt die Breitflügelfledermaus nach der Zwergfledermaus die zweithäufigste Art dar. Bemerkenswert dabei ist, daß sich die Verbreitungsschwerpunkte beider Arten nur ganz geringfügig zu überschneiden scheinen ...

Die Funde von E. serotinus konzentrieren sich, und zwar zu allen Jahreszeiten, im Stadtbezirk Mitte mit Ausstrahlung nach Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Es handelt sich um das Terrain der Stadt, dessen Silhouette maßgeblich von eindrucksvollen Repräsentativbauten unterschiedlicher Baustile und Bauzeiten bestimmt wird. Hier dürften sich sowohl Wochenstuben als auch Winterquartiere dieser Art befinden. Parallelen zur Zwergfledermaus deuten sich an ..." [HAENSEL 1992a]

Stadtweit findet man die Breitflügelfledermaus im Sommer [KLAWITTER & PALLUCH 1987]. Die Schwerpunkte des Vorkommens liegen dort, wo ein ausreichendes Angebot an Tagesverstecken mit günstigen Jagdmöglichkeiten zusammentrifft [KLAWITTER 1976a]. Ein direkter Wochenstubennachweis liegt vor [LEHNERT & PALLUCH 1992], juvenile und subadulte Tiere weisen auch auf die Vermehrung der Breitflügelfledermaus in Berlin hin [KLAWITTER & PALLUCH 1987]. Nach KLAWITTER & PALLUCH [1987] stammen Winternachweise der Breitflügelfledermaus in Berlin zumeist von Tieren, die im innerstädtischen Bereich nach Einbruch von Frost ihre Quartiere verlassen haben und in Wohnungen einflogen.

In Mitteleuropa ist sie häufiger im Tiefland als in höheren Lagen der Mittelgebirge zu finden [KURTZE 1991], womit ihr Fehlen in einigen Städten (Zürich, Luzern, Bayreuth und andere bayerische Städte) der vorliegenden Stadtuntersuchungen (Tabelle 1) zu erklären wäre. Nach HILDENHAGEN & VOWINKEL [1986] entstammt die geringe Häufigkeit der Art in Göttingen eventuell dem gleichen Grund.

In London [MICKLEBURGH 1987b], Göttingen [HILDENHAGEN & VOWINKEL 1986] und Basel [mündl. Mitt. von JÜRGEN GEBHARD] kommt die Breitflügelfledermaus fast nur in der Peripherie der Siedlungsagglomeration vor. In Bebauungszentren und Innenstädten lebende Breitflügelfledermäuse werden neben Berlin in Bremen [ROSCHEN & EIKHORST 1985], Wien [SPITZENBERGER 1990] und Hamburg [GROSS 1986/86] ganzjährig angetroffen, und zählen hier im gesamten Stadtgebiet auch zu den häufigsten Fledermausarten. In Brno [GAISLER & BAUEROVA 1985/86] und nach SPITZENBERGER [1990] auch in Großstädten im östlichen Mitteleuropa zählt die Breitflügelfledermaus gleichfalls zu den häufigsten Fledermausarten. Der Meinung einiger Autoren wie SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] und GODMANN [1992], Breitflügelfledermäuse würden nur in Randbereichen von Großstädten vorkommen, muß also widersprochen werden. Das Verschwinden der Art in den letzten Jahren in und um Basel könnte laut JÜRGEN GEBHARD [mündl. Mitt.] eine Folge der Reduktion der offenen Viehhaltung sein, die eine Reduktion der Käferbestände (Coleoptera) mit sich zieht. Fehlende Agrarflächen sollen der Grund für das Fehlen der Art in Kassel sein, nördlich und südlich der Stadt existieren Nachweise der Breitflügelfledermaus [JANSEN 1993].

Quartiere

Bereits EFFELDT [1873] bemerkte, daß Quartiere der Breitflügelfledermaus in Gebäuden inmitten Berlins lägen. Nur einige Tiere überwintern in trockenen Teilen der Spandauer Zitadelle. Weitere Winternachweise liegen kaum vor.

"Der Grund dafür ist einfach. Die Art bevorzugt zum Überwintern relativ trockene und exponierte Stellen. Sie ist also nicht wie andere Arten auf frostgeschützte, feuchte Kellerräume oder Höhlen angewiesen. Sie verkriecht sich meist einzeln in Mauerlöchern, zwischen Dachbalken, hinter dem Putz von Hausfassaden usw. Man hat sie sogar schon zwischen Kohlenhaufen und in Trümmerschutt gefunden." [KLAWITTER 1976a]

HAENSEL [1992a] belegt einige überwinternde Breitflügelfledermäuse in Spalten von Bretterstapeln und Steinhaufen. Da die Tiere nie zu größeren Kolonien zusammenkommen, lassen sie sich nicht so einfach nachweisen, was u.a. zu einer Unterbewertung der Art führen kann (siehe auch Abschnitt Erfassung von Fledermäusen).

Zu den Sommerquartieren schreibt KLAWITTER [1976a]:

"Als Tagesquartiere (Sommerquartier, d.Verf.) wählt die Breitflügelfledermaus fast ausschließlich Häuser, wo sie sich auf Dachböden [teilweise frei hängend], in Jalousiekästen, Mauerlöchern usw. versteckt. Ältere Gebäude sind besonders geeignet, während Neubauten kaum Unterschlupfmöglichkeiten bieten ..."

Zu erkennen ist, daß sich die Winter- und Sommerquartiertypen, die in Städten von der Breitflügelfledermaus gewählt werden, wie bei der Zwergfledermaus ähnlich sind.

Regionale Unterschiede im Quartierverhalten der Art - in Norddeutschland [PIEPER & WILDEN 1980] und Großbritannien finden sich Breitflügelfledermäuse ganzjährig auch in Baumhöhlen, in Rußland bevölkern sie Felshöhlen [STEBBINGS 1977] - zeigen die große Variabilität der ursprünglich baumhöhlenbewohnenden [PIEPER & WILDEN 1980 und STEBBINGS 1977] Breitflügelfledermaus bei der Quartierauswahl auf. So bewohnen die Tiere in Brno [GAISLER & BAUEROVA 1985/86] hauptsächlich Spaltenquartiere an Gebäuden, im Unterschied hierzu in Berlin auch an Neubauten ("Plattenbauten"). Nachweise von baumhöhlenbewohnenden Breitflügelfledermäusen findet man jedoch selten in Städten.

Jagdraum

Nach KLAWITTER & PALLUCH [1987] finden sich auch jagende Tiere in der stark bebauten Innenstadt Berlins, dort u.a. in Parkanlagen [LEHNERT et al. 1993].

"Hinsichtlich des Jagdgeländes ist die Breitflügelfledermaus wenig wählerisch. Ich konnte sie in Parkanlagen und Gärten, auf Hinterhöfen und Sportplätzen [und] an Waldrändern ... beobachten. Ausgedehntere Grünflächen werden allerdings wegen des meist reichlicheren Insektenangebotes bevorzugt." [KLAWITTER 1976a]

"[Auch] Wald wird .. als Jagdgebiet nicht gemieden, .. einzelne Tiere ... dringen bis zu 2km tief in ihn ein." [KLAWITTER 1975]

Desweiteren können auch Müllkippen bevorzugte Jagdgründe sein. KLAWITTER [1973] fand auf Berliner Müllkippen Breitflügelfledermäuse, Mausohren und Große Abendsegler, die den dort massenhaft auftretenden Heimchen (Acheta domestica) nachjagten. Hauptmerkmal der von Fledermäusen besuchten Müllkippen ist der große Insektenbestand, der u.a. abhängig von der Art des Mülls ist. So sind z.B. Müllkippen, die mit Bauschutt beladen werden, nicht von Fledermäusen besucht. Auch bestimmte andere Müllkippen werden nur spärlich besucht. Offenbar ist dort die Entfernung zum nächstgelegenen Quartier zumindest für die Breitflügelfledermaus zu groß, wenn auch die

"... Nahrungsgründe nicht in unmittelbarer Nähe der Tagesquartiere liegen [müssen]. Die Breitflügelfledermaus hat .. einen relativ großen Aktionsradius (bis zu 3km, insofern nicht übermäßig groß, d.Verf.). Sie ist in der Lage, Gebiete mit ausreichend hoher Insektendichte ausfindig zu machen und sich dem örtlich wechselndem Nahrungsangebot anzupassen...

Die Siedlungsdichte ist demzufolge am größten in der Nähe von Parkanlagen, in Waldrandgebieten und in Villenbezirken, vorausgesetzt, es befinden sich ältere Gebäude in der Nähe. In Neubaugebieten wird man in der Regel keine Breitflügelfledermäuse antreffen." [KLAWITTER 1976a]

Lichte Wälder, Parks, kleine Grünflächen - z.B. Hinterhofgärten -, Müllplätze und insektenanziehende Beleuchtungskörper dienen als Jagdraum in Städten [SCHOBER & GRIMMBERGER 1987 und GODMANN 1992]. KURTZE [1982] beschreibt die Fähigkeit von Breitflügelfledermäusen, über Teichen Beute zu machen. Nach HILDENHAGEN & TAAKE [1982] spielen Gewässer aber eine untergeordnete Rolle für das Vorkommen von Breitflügelfledermäusen. In Städten vorhandene erwärmte Beton- und Asphaltobjekte werden laut KURTZE [1991] von Breitflügelfledermäusen länger umkreist, weil sich in ihrer Nähe auch tagaktive Insekten eine Zeitlang am Abend aufhalten und gefressen werden können. Die im Vergleich zu anderen einheimischen Fledermausarten große Art jagt neben Nachtfaltern (Lepidoptera) vor allem Käfer (Coleoptera). Sie fängt diese nicht nur im Flug, sondern kann sie auch vom Boden oder von Ästen aufnehmen [KURTZE 1982]. Ihr im Vergleich zur Zwergfledermaus größerer Nahrungsbedarf kann in Städten nicht immer gedeckt werden.

Mobilität

Da die Entfernung vom Quartier zum Jagdrevier, die die Tiere zurücklegen, nach SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] relativ klein ist (selten über 1km, nach KURTZE [1982] nur 500m, nach DIEHL [1994] 3km) und die Art zwischen Winter- und Sommerquartier nach den bisherigen Erkenntnissen nur wenige Kilometer zurücklegt, scheinen in Innenstädten lebende Tiere dieser Art die Stadt nicht zu verlassen. ROER [1960], STRELKOV [1969] und SCHOBER & GRIMMBERGER [1987] bezeichnen die Art als ortstreu, BLAB [1993] bezeichnet sie als Mittelstreckenwanderer - einige Nachweise von Wanderstrecken von 45km bis zu 330km [KURTZE 1991 und SCHOBER & GRIMMBERGER 1987] sind aber die Ausnahme. Weibchen und Männchen zeigen dabei unterschiedliches Verhalten. Männchen neigen eher zu kleinen Wanderungen, wechseln öfter das Quartier und leben teilweise einzeln [KURTZE 1991].


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Weitere 12 Fledermausarten

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©verfaßt von Tiemo Redel -Germany (Berlin)- und zuletzt verändert am 21.Oktober 1996

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